1615 gebaut, heute noch fast unverändert
Fachwerkhaus in Osterode am Harz soll saniert werden
Das 1615 errichtete Ackerbürgerhaus am Spritzenhausplatz 16 in Osterode am Harz soll saniert und für die Zukunft erhalten werden. Sein außergewöhnlicher Erhaltungszustand macht das Gebäude zu einem besonderen Zeugnis der Osteroder Baugeschichte.
Bürgermeister Jens Augat informierte sich nun bei einer gemeinsamen Begehung vor Ort über das historische Gebäude und die geplante Sanierung. Gemeinsam mit den neuen Eigentümern, Dirk Schweidler und Marco Bode vom Architekturbüro Schweidler sowie Imke Heyen von unserer Geschäftsstelle besichtigte er das Haus und ließ sich die Ergebnisse der vom Fachwerk5Eck geförderten Ideenskizze erläutern.
Bereits der Erwerb des Hauses war alles andere als gewöhnlich, denn das junge Paar aus Herzberg hatte das Gebäude bei einer Versteigerung erworben, ohne es vorher besichtigt zu haben. Bei der ersten Begehung wurde klar, dass in dem von außen eher unscheinbaren Haus historische Details verborgen sind.
Ein Ackerbürgerhaus wie aus einer anderen Zeit
Das Gebäude ist eines der typischen Ackerbürgerhäuser, wie sie über Jahrhunderte in Südniedersachsen verbreitet waren und auch heute noch in den Städten des Fachwerk5Ecks zu finden sind. Seit seiner Erbauung im Jahr 1615 hat sich an der Nutzung des Hauses bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts kaum etwas geändert. So hatten die neuen Eigentümer zunächst alle Hände voll zu tun, die Speichergeschosse von dem dort noch gelagerten Stroh zu befreien.
Architekt Dirk Schweidler liegt das Haus ganz besonders am Herzen, denn es war bereits Gegenstand seiner Diplomarbeit. Sein Eindruck hat sich seitdem kaum verändert: „Das Haus sieht 1:1 noch aus wie vor 35 Jahren.“ Tatsächlich wurden die letzten größeren baulichen Veränderungen bereits Mitte des 19. Jahrhunderts vorgenommen. Dadurch sind die bauzeitliche Raumstruktur und der historische Raumeindruck in außergewöhnlichem Umfang erhalten geblieben. Die Speichergeschosse sind nicht ausgebaut, und in der Küche sind noch Elemente der ursprünglichen Feuerstelle zu sehen. „Der Erhaltungszustand ist damit nicht nur in Osterode, sondern wahrscheinlich im gesamten südlichen Niedersachsen einmalig“, ergänzt Marco Bode.
Aufgrund seiner besonderen bauhistorischen Merkmale wurde das Haus inzwischen vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege als Einzeldenkmal eingestuft. Dies erfolgte in enger Abstimmung mit den Eigentümern und eröffnet zugleich steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten für notwendige denkmalgerechte Instandsetzungsmaßnahmen an der Fassade, Dach und auch der Innenräume.
Mit guten Ideen in die Zukunft
Die Herausforderung besteht nun darin, die besondere historische Substanz zu bewahren und gleichzeitig eine zeitgemäße Nutzung des Hauses zu ermöglichen. Hier setzt die vom Fachwerk5Eck geförderte Ideenskizze an. Das Architekturbüro Schweidler hat für die Eigentümer erste Pläne für die zukünftige Entwicklung des Gebäudes erstellt. Dabei erfolgte frühzeitig eine Abstimmung mit der für Osterode am Harz zuständigen Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Göttingen. Die Ideenskizze soll dabei keine fertige Planung vorwegnehmen, sondern Perspektiven aufzeigen und eine Grundlage für die nächsten Planungsschritte schaffen.
Für die neuen Eigentümer beginnt damit nun der nächste Schritt: Aus den ersten Ideen soll nach und nach ein konkretes Konzept für die Sanierung entstehen. Ziel ist es, die besondere Geschichte des Hauses zu bewahren und gleichzeitig wieder dauerhaft Leben in das Gebäude zu bringen.
„Historische Fachwerkhäuser wie dieses machen die Geschichte unserer Stadt unmittelbar erlebbar. Deshalb freut es mich besonders, dass die neuen Eigentümer mit Mut und Engagement an die Aufgabe herangehen, diese besondere historische Substanz zu bewahren. Ich wünsche ihnen für die anstehenden Schritte viel Erfolg, Ausdauer und gutes Gelingen“, so Bürgermeister Jens Augat.
Das Beispiel am Spritzenhausplatz zeigt, welches Potenzial in den historischen Fachwerkhäusern der Region steckt. Sie sind nicht nur prägende Bestandteile der Orts- und Stadtbilder, sondern bewahren auch wichtige Zeugnisse der Geschichte und Baukultur. Mit einer behutsamen Sanierung können solche Gebäude erhalten und zugleich für heutige und zukünftige Generationen nutzbar gemacht werden.
Interesse an einer Ideenskizze?
Eigentümerinnen und Eigentümer sowie Kaufinteressierte historischer Fachwerkhäuser können sich an unsere Geschäftsstelle wenden.
